Montag, 29. April 2013
Ein Auto zum Verlieben

09. April: Ankunft in Campbell River. Sogleich wird uns von Pat, der Mutter von Tessa, bei der wir Unterkunft bekommen, mitgeteilt, dass der Autokauf nicht moeglich sein wird, da wir noch nicht 21 sind und man in BC vorher kein Auto kaufen darf. Etwas verunsichert aber noch nicht die Hoffnung aufgebend, wird nachgeforscht.

10. April: Wir fahren zu einer Versicherungsfirma, um nachzufragen. Die Dame am Schalter meint zwar zuerst, dass es kein Problem sein sollte, als aber Pat nach einem "doublecheck" fragt und nicht locker laesst, weil sie uns nicht illegal auf den gefaehrlichen Strassen BCs fahren sehen will, wird das Maedchen zusehends unsicher, bis sie uns an die Fuehrerscheinstelle in Campbell River verweist. Dort erfahren wir, dass wir seit zwei Jahren einen Fuehrerschein besitzen muessen, um fahren zu duerfen. Wichtig: einen, der nicht als "learners licens" gilt.

11.April: Mein Fuehrerschein ist auf den 01.02.12 ausgestellt, also meinen 18. Geburtstag, dasselbe bei Christina, die sich aber sicher ist, den Fuehrerschein noch keine zwei Jahre zu besitzen. Nachdem die Umstaende ein Skypedate mit meinen Eltern zu arrangieren ueberwunden sind, stellt sich heraus, dass ich den Fuehrerschein am 17. April 2011 bekommen habe. Waere also moeglich abzuwarten. Wieder am BC access center wird uns mitgeteilt, dass das Datum deutlich auf dem Fuehrerschein stehen muss und wenn nicht (in meinem Falle), muss ein beglaubigtes Dokument einer oeffentlichen, staatlichen Instutition direkt ohne Einwirken einer dritten an das BC access centre gehen, danach koenne man weiter sehen. Daheim geht gleich der Befehl an die armen, als personifiziertes Instrument missbrauchten Eltern, beim von uns allen geliebten KVR nach diesem Papier zu fragen.

12. April: Was ist die Loesung des Raetsels? Nein, nicht nur, dass sowohl die liebe Hanna als auch die gute Christina im zarten Alter von 19 Jahren eine Lesebrille brauchen, sondern dass das Datum der bestandenen Fuehrerscheinpruefung HINTEN auf der Lizenz steht. Puhh. Darauf zu kommen kann man aber auch echt von keinem Abiturienten, der schon seit 9 Monaten keine Schule von innen gesehen hat, verlangen. Stolz eroeffnen wir also der Dame am BC access centre Schalter unsere Neuigkeiten, worauf die aeusserst gelangweilte Dame uns den Prozess erlaeutert, um eine BC driver's licence ausgestellt zu bekommen. "Aber Moment, wir wollen doch gar keinen kanadischen Fuehrerschein?" "Achso, ja dann koennt ihr einfach als Besucher fahren." “Wie, einfach fahren? Ohne alles? Ohne die zwei Jahre? Einfach nur mit Fuehrerschein?" "Ja." - Und so erfuhren klein Christina und klein Hanna, dass sie drei Tage umsonst im Dreieck gelaufen waren.

12. - 16. April: Hanna setzt sich einen VW Westfalia, einen Bulli, in den Kopf. Ein Kindheitstraum, ein Hippiebus, DAS Reiseauto fuer die Alternativen. Christina muss erstmal ueberzeugt werden, aber die leuchtenden Kinderaugen tun ihre Arbeit nicht nur schnell, sondern vor allem gut: Christina ist von der Bullikrankheit angesteckt.

17. April: Der erste Westfalia wird besichtigt und auch gleich testgefahren. Eine Schrottkiste (wie es diese Autos in diesem Alter nun mal sind) und sogar der Autohaendler gibt zu, dass es der Bus nicht nach Toronto schaffen wird.

18. April: Nach zwei weiteren Bullibesichtigungen (einer der beiden muss mit Propan, verkabelt mit dem Motor, die Hitze im Auto erzeugen, der andere springt grundsaetzlich erst beim zweiten Versuch an und hat weder Tacho noch Kilometeranzeige; beide ohne Servolenkung) gestehen wir uns ein - ok, Hanna gesteht sich ein - dass der Traum vom Bulli vorerst ein Traum bleiben muss.

21. April: Nach gefuehlten 100 Stunden im Internet, 50 begutachteten Autos, 30 Kofferraeumen, in die wir vor den unglaeubigen Augen der Verkaeufer gekrabbelt sind, und 20 Probefahrten haben wir IHN. MIGUEL, ein 7-jaehriger Chevrolet Cavalier. Blau. Sehr blau. Aber sicher. Und das Wichtigste: Wir passen in den Kofferraum!
So, damit ist das Ende der Geschichte immer noch nicht erreicht. Als Tessa uns zu drei verschiedenen Banken faehrt, um das Geld abzuheben, um das Auto sofort mitzunehmen, muessen wir uns eingestehen, dass es wohl so schnell doch nicht gehen wird. Unsere Kreditkarten geben uns NICHTS. Was jetzt? Den kompletten naechsten Morgen verbringen wir damit, Barclaycard zu erreichen, und endlich kommen wir durch. Doch was ist passiert? Unser Kreditrahmen ist nicht nur erschoepft, wir haben auch noch einen Fehler beim Abschliessen des Vertrages gemacht und zahlen monatlich nur einen Mindestbetrag zurueck statt der gesamten Summe. Das bedeutet, dass wir nun Zinsen fuer das nicht rechtzeitig zurueckgezahlte Geld zahlen muessen. Aergerlich. Zumal wir den Vertrag 1000 Mal durchgelesen und 100 Mal mit Barclaycard telefoniert hatten ... Telefonisch regeln wir alles und aendern auch unseren Vertrag. Wann wir nun wieder mit unserer Kreditkarte abheben koennen? Ab 20. Mai, also in einem Monat. Wie bitte? Und von was sollen wir bis dahin leben? Ah, ja, da gaeb's noch eine Moeglichkeit: Wir koennten unsere Kreditkarte direkt mit Geld aufladen, dann koennten wir wieder etwas abheben. So einfach? Ja, so einfach. Also werden die Eltern in Muenchen kontaktiert. Die Retter in der Not ueberweisen uns Geld auf unsere Kreditkarten, verfuegbar in circa 48 Stunden. Wie halten wir das Auto bis dahin? Es gaebe keine Moeglichkeit, waere da nicht mal wieder Tessa und ihre Familie. Sie leihen uns das Geld fuer das Auto und einen Zuschuss zur Versicherung, sodass wir beides zahlen koennen. Der Mann bei der Versicherung, der sich nicht schneller bewegt wie eine Schildkroete, laesst uns zwei Wische unterschreiben und drueckt uns unsere Kennzeichen, die er aus einem Schrank kramt, in die Hand. So einfach ist das hier! Eine Sache von 20 Minuten an einer Versicherungsstelle im Supermarkt am Sonntag um fuenf. Und dann ist es endlich so weit! Nach einem zweiwoechigen Huerdenlauf sitzen wir wahrhaftig in unserem Auto und fahren durch die sonntagsleeren Strassen in Campbell River - wer haette das gedacht!

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Ein Traum wird wahr - Skifahren in Kanada

13.04. - Endlich, eeeeendlich ist es soweit! Wir hatten ja eigentlich nicht mehr daran geglaubt, dass wir es noch schaffen wuerden. Aber tatsaechlich, heute machen wir uns wirklich und wahrhaftig zum Skifahren auf! Mount Washington lautet unser Ziel. Zu den Klaengen der immer und immer wiederkehrenden 3 Popsongs, die auf allen Radiosendern laufen, fahren wir ins Tessas Auto ueber den Highway. Stopp! Wessen Auto? Ja, genau, Tessas Auto. Tessa ist die Mutter der Familie, bei der wir untergekommen sind, und sie hat uns ihr Auto geliehen, damit wir zum Berg kommen koennen. Aber damit nicht genug! Sie hat uns nicht nur ihr Auto geliehen und uns eine feinsaeuberliche Wegbeschreibung mitgegeben, mit der wir unser Ziel gar nicht verfehelen koennen, sondern hat uns darueberhinaus FREIE Skipaesse UND freies Skileihen organisiert! Unglaublich. So passt der Ausflug perfekt in unser schmales Reisebudget und wir koennen den Tag in vollen Zuegen geniessen.

Und auch der Wettergott hat sich entschieden, uns einen schoenen Skitag zu goennen. Waehrend der ersten Liftfahrt strahlt die Sonne, auf den Pisten tummeln sich nur vereinzelt Skifahrer, die Haenge sind einwandfrei praepariert. Ein bisschen kalt ist es ja schon, aber wir haben uns warm eingepackt - Hanna traegt ihre Daunenjacke unter dem Skianorak, sicher ist sicher. Fuer Hanna ist es ein spannender Tag: Sie steht das erste Mal seit 4 Jahren wieder auf Skiern und hatte zudem einen Snowboardunfall mit Gehirnerschuetterung im letzten Jahr! Gruende genug, Respekt vor dem Wintersport zu haben. Zunaechst noch etwas zoegerlich und hochkonzentriert, verfliegen im Laufe des Tages ihre Sorgen und sie wird richtig locker. Respekt und Hut ab, da hat sich jemand zamgerissen!

Etwas seltsam am Skigebiet ist, dass es keine automatischen Kartenscanner gibt. Stattdessen steht in jeder Warteschlange Liftpersonal, das manuell jeden Skipass scannt. Gut, ham die auch was zu tun... Um einiges beaengstigender jedoch ist, dass beim Grossteil der Lifte zwar Schutzbuegel montiert sind, jedoch die Skiabstellstreben fehlen - nicht unbedenklich fuer kleine Kinder und zudem schnuert's uns die Blutabfuhr zu den Oberschenkeln ab ...

Spaeter dann faengt es doch noch an zu schneien, aber das ist uns dann auch egal. Wir geniessen die letzten Abfahrten, winken dem Mount Washington und brausen zu den Klaengen der gleichen drei Popsongs wieder zurueck nach Campbell River. - Mission Skifahren zumindest fuers erste abgehakt, und das an erster Stelle dank Tessa!

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Luxus-Mahl am Bilderbuchstrand

14.04. - Sonntag. Strahlender Sonnenschein. Gegen Mittag holen uns Pat und Darrell die Grosseltern der Familie, bei der wir untergekommen sind, ab. Auf dem Weg gabeln wir noch die juengste Schwester Maritte, ihren Mann Eduardo und deren Kinder Leola und Juvio auf. Kurze Diskussion ueber das genaue Ziel. Eduardo gewinnt: Wir fahren an einen Super-Geheim-Tipp-Strand um nach Austern zu suchen. An einem unscheinbaren Parkplatz steigen wir aus. Es geht einen steilen Huegel hinunter, der urspruengliche Pfad wurde anscheinend vor kurzer Zeit vom Meer ausgespuelt. Und unten angekommen eroeffnet sich einmal mehr das atemberaubende Campbellriver-Panorama vor uns: blaues Meer vor gruenem Wald vor Bergkette mit verschneiten Gipfeln - das macht jedem Bilderbuch Konkurrenz. Und dann soll es hier auch noch Austern geben! Hanna und ich haben da ja unsere Zweifel, machen uns aber trotzdem auf die Suche. Wir stossen auf lila Seesterne, Krebse, die unter Steinen hervorlugen, und letztendlich dann: "Ahhh I found them, there they are!" Eduardo hat sie als erster entdeckt, die Austern. Ueber den Boden verstreut liegen an einer Stelle am Strand diese unauffaelligen und doch so heissbegehrten Muscheln fest verschlossen in ihren dicken Schalen. Wir sammeln jeder so viele, wie wir in zwei Haenden tragen koennen.

Nachdem wir mit der Schaufel noch nach "clams" gesucht haben (und dabei auf einen widerwaertiges, wurmartiges Etwas gestossen sind),

machen wir uns auf zum benachbarten Strand. Dort warten die Grosseltern auf uns, die bereits ein Lagerfeuer entfacht haben. Auf einem Grillgitter ueber der Glut brutzeln bald die frischgepflueckten Austern. Ich bin ja heilfroh, dass wir sie nicht roh essen muessen. Eduardo verfeinert sie dann noch mit Sweet-Thai-Chili-Sauce. Dennoch bin ich etwas skeptisch, als es ans Probieren geht ...

Aber da muss ich jetzt schon durch. Und erstaunlicherweise: Es schmeckt gar nicht so scheusslich. Gut, koennte an der Thai-Sosse liegen, die den Geschmack doch deutlich dominiert ... Ich mein', ich muesst's jetzt nicht jeden Tag haben, roh sowieso nicht und ich war schon froh um den Hotdog, den es danach noch gab, aber immerhin. Die Austerschale heb' ich natuerlich nach bestandener Challenge auf. Nach dem Essen geniessen wir die Abendsonne, dann gibt's noch ein besonderes Highlight von der Oma fuer die zwei Kleinsten: In der Naehe befindet sich ein Geocaching-Box, soviel wird verraten. Geocaching ist hier ein weitverbreitetes GPS-Spiel. An versteckten Stellen befinden sich Boxen, die kleine "Schaetze" bergen. Mit speziellen Apps und GPS kann man die Boxen in der Umgebung bis auf einige Meter genau orten. Dann geht die Sucherei los, was mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann. Die Box hier haben die Grosseltern bereits gefunden. Mit der Hilfe von Pat finden Juvio und Leola das Kistchen recht schnell. Leider haben wir nichts zum "traden" dabei. Man kann naemlich einen der Boxinhalte gegen eine andere Kleinigkeit austauschen. (http://www.geocaching.com/). Macht nichts, die Suche allein war es wert. Die Sonne sinkt immer tiefer, Zeit fuer Leola und Juvio ins Bett zu kommen, also brechen wir auf. Ein wunderschoener Ausflug, an den uns auch noch am naechsten Morgen unsere nach Rauch und Austerschalen stinkenden Klamotten und Haare erinnern ...

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Dienstag, 23. April 2013
Strecke machen

Aus der Versenkung: Kaum sind wir drei Wochen in Kanada, schaffen wir es auch schon, unseren ersten Blog zu schreiben.

Costa Rica, Kanada, dann Indien hat man in Muenchen immer so erzaehlt, doch als wir dann frueh morgens auf unser Flugzeug von San Jose nach Toronto warten, ist es schon ein komisches Gefuehl unseren ersten Stopp zu verlassen aber nicht nach Hause zu fliegen, zumal wir aus Spargruenden am Abend voher spontan unsere Hostelreservierung gekuendigt haben und uns ans Couchsurfing gewagt haben, leider jedoch, ohne nachzusehen, wie wir vom Flughafen zur Couchsurfer-Familie kommen...
Nervoes landen wir im kalten Toronto . Doch der Flughafen will uns ein herzliches Willkommen bereiten - Free Wifi Zone! Jetzt haben wir wenigstens die Busverbindung, doch den Bus zu finden ist alles andere als einfach. Ein netter Flughafenangestellter versucht uns zu helfen, hat jedoch leider noch weniger Ahnung als wir und schickt uns in eine voellig falsche Richtung. Irgendwie schaffen wir es letzten Endes all unseren Orientierungssinn zusammenzukratzen und wechseln in 5 Minuten das Terminal, rasen voll bepackt zwei Stockwerke nach unten und springen zwei Sekunden vor Abfahrt in den Bus. Erleichterung... ... zumindest kurz. Das naechste Problem offenbart sich: Wir besitzten lediglich 20-Dollar-Scheine. Ziemlich bloed, wenn man 3,25 $ passend zahlen muss. Doch: Toronto will uns anscheinend wirklich freundlich empfangen. Wir sind an den vermutlich nettesten Busfahrer ganz Ontarios geraten, er erlaesst uns einfach die Gebuehr - Wahnsinn!

Nach ewiger Busfahrt erreichen wir dann unsere Haltestelle Kreuzung College Way/ South Millway ohne jedoch zu wissen, wo wir jetzt hinmuessen. Ein einsamer Spaziergaenger kommt da gerade recht. Er sucht uns die Route auf seinem Smartphone heraus. Zitternd und bibbernd gehen wir die letzten Meter und finden tatsaechlich ohne erwaehnenswerte Schwierigkeiten unser Ziel! Jetzt wirds's spannend. Wer wird oeffnen? Klingeln wir am richtigen Haus? Sind die nett? Aber: Alle Sorgen unbegruendet. Das kanadische Paerchen Earl und Wendy ist sehr nett und hilfsbereit, wenn auch ein wenig ungeweohnlich (Wendy fuehrt und eine Jacke mit Hasenohren und Schwaenzchen vor, die sie immer freitags am "casual"-Tag im Buero traegt, um ihren Chef zu aergern).

Hier muss ich den ganzen Bericht der letzten Wochen ein bisschen abkuerzen, da sonst niemand mehr die Muse findet, das Ganze zu lesen. Die folgenden 2 Tage verbringen wir damit, Jacken zu kaufen und unsere Reise in den Westen zu planen. Und dann geht's auch schon los. Im Greyhound-Bus. 72 Stunden. Unterwegs mit einer seltsamen, aber sehr netten Auswahl an Menschen.

Ankunft in Vancouver. Wir sind voellig uebermuedet, ausgehungert (wir hatten aus Spargruenden etwas wenig Proviant dabei... Gott sei Dank haben wir den 3 Tage lang ungekuehlten Schinken ueberlebt) und verstunken (Duschen gab's natuerlich nirgends auf dem Weg). Immer noch in diesem Zustand kommen wir dann nach Faehrfahrt und Island-Shuttle am Nachmittag in Campbell River auf Vancouver Island an. Hier schlupfen wir bei Freunden von Hannas Familie unter. Eine unglaublich gastfreundliche Familie, wunderbares Essen, ein gemuetliches Bett, eine Dusche - wir fuehlen uns im Paradies! Seitdem sind wir in Campbellriver und organisieren unsere Reise. Unsere Erlebnisse hier folgen in den naechsten Eintraegen.

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Mittwoch, 27. März 2013
Ticos gleich Nicas?

23.03.13 -27.03.13 Nicaragua - sollen wir es wirklich wagen? Ein Land vor dessen Bereisung auf der Seite des Auswaertigen Amtes abgeraten wird.

"In Taxis kann es zu Raubüberfällen kommen, bei denen vereinzelt auch Schusswaffen eingesetzt werden.(...) Auch bei Tageslicht oder für Gruppenreisende sind Taxis kein sicheres Verkehrsmittel."

Jetzt sitzen wir in einem der besten Hostels (Casa Oro in San Juan del Sur) der ganzen Reise, gluecklich und das erste Mal seit Laengerem entspannt. Gespraeche ueber die Reisezeit mit Maxi, den wir gestern verabschieden mussten, 10 neue, sehr interessante Bekanntschaften mit Reisenden im Hostel und viel Ruhe. Genau das, was wir gebraucht haben.

Aber ist Nicaragua wirklich so anders als Costa Rica? Nach der kurzen Zeit und nur zwei Orten, die ich in diesem Land gesehen habe - um mich dan sofort in dieses zu verlieben - ist fuer mich definitiv JA die Antwort.

Nachdem wir die Grenze nach Nicaragua ueberschritten haben, steigen wir in den Bus nach Rivas, von dem aus die Faehre nach Ometepe, unserem Zielort, geht. Der Bus allein ist schon ganz anders als die Busse in Costa Rica. Nicht neu, modern und "langweilig", sondern bunt bemalt und im Stil amerikanischer Schulbusse, nur sehr alt und - wie gesagt - sehr bunt. Unsere Rucksaecke werden nicht wie in Costa Rica in Gepaeckstauraeume mit Namenszettelchen versehen sicher verstaut, sondern auf das Busdach geschmissen und mit waescheleinenartigen Schnueren irgendwie befestigt. Als der vollste Bus, in dem ich in meinem Leben je war, sich dann nach 10 Minuten in Bewegung setzt, fangen alle Nicas aus Freude darueber an zu johlen und zu pfeifen. Ein sehr leidenschaftliches, emotionales und unterhaltsames Volk. Auch wenn der Bus andere ueberholt, wird geklatscht und geschrien. (Einschub von Christina: Ich lerne auf der Busfahrt zwei kleine Maedchen kennen. Die beiden wollen etwas Deutsch lernen und kraehen bald begeistert den Satz "Wie heisst Du?" durch den Bus. Ihr Liebelingsspiel ist es, andere Leute zu beruehren. Ich trage - wie immer - meine Wertsachen sicher unter dem T-Shirt. Mit einem begeisterten "Que toco, que toco?" entdeckt Paula die Bauchtasche und hebt bald mein T-Shirt hoch, um den Fund zu begutachten - tja, das wars wohl mit meinem Geheimfach)

Der Ort Moyogalpa auf Ometepe ist einer meiner Lieblingsorte soweit. Verschlafen, sehr urspruenglich, kleine Kraemerlaeden, keine Supermaerkte und die Leute sind sehr offen. In einem der kleinen Laeden entstand dieses Foto:

In San Juan del Sur, unserem zweiten Stopp, ist zwar nichts mehr urspruenglich, da es einer der touristischsten Orte Nicaraguas ist, aber die Leute sind immer noch so freundlich. Man hoert auch immer wieder von den Vorwuerfen, die Ticos seien arrogant und reich. Ich bin definitiv nicht in der Position darueber ein Urteil faellen zu duerfen und doch sind mir die Nicas bis jetzt sympathischer.

Vom Thema Gewalt und Kriminalitaet haben wir nichts mitbekommen, aber das nach 5 Tagen und an den sichersten Orten Nicaraguas behaupten zu koennen, ist auch keine Kunst.

Ein letzer Unterscheid:Nicaragua ist spottbillig verglichen mit Costa Rica (bis auf - zu meinem unendlichen Bedauern - Nutella).

Abschliessend eine Geschichte von heute, nach der das Land endgueltig seinen Platz in meinem Herzen erobert hat: Als wir heute auf dem Markt schlendern, sehe ich ein kleines Maedchen an einem Obststand auf dem Schoss ihrer Mutter sitzen. Das perfekte Fotomotiv. Die Kamera sowieso schon gezueckt, um die schoenen Staende zu fotografieren, traue ich mich nicht abzudruecken. Einen Menschen ungefragt zu fotografieren - schwierig. Doch der Vater sieht meinen Blick und ermutigt mich auf Spansich, das Bild doch zu machen. Als ich das Maedchen nochmal, um ganz sicher zu gehen, auf meinem gebrochenen Spanisch um Erlaubnis frage, versteckt sie sich schuechtern hinter ihrer Mutter. Also will ich schon aufgeben, als der Vater nochmal auf das Maedchen einreden will, ich ihm aber sage - ueber meine sehr empfehlenswerte Dolmetscherin Christina - dass ich niemanden fotografieren will, der das nicht will. Daraufhin deutet er auf die Grossmutter, die auch am Stand sitzt, und meint, dann soll ich doch von ihr eines machen und sie winkt mich freudig herbei. Als ich das Foto also habe, laufen alle (auch Nicas von umstehenden Staenden) herbei und wollen das Foto auf dem kleinen Display sehen und sind ganz begeistert. Als letztes zeige ich das Bild dem kleinen Maedchen. Durch Grossmutters Mut angespornt, entscheidet sie sich doch noch fuer ein Foto zu posieren. Eine so nette Familie, ein schoenes Bild, ein schoener Nachmittag, ein grandioses Land.

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