22.03. - Angekommen im kleinen Dorf Bijagua im Norden Costa Ricas starten wir unsere Tour am Morgen. Der Fahrer des Shuttles, mit dem wir in den Nationalpark fahren wollen, kommt ganz gemaess des costaricanischen Zeitempfindens eine Dreiviertelstunde zu spaet. Am Nationalparkeingang empfangen uns Einweckglaeser mit toten Schlangen. Entsetzt frage ich einen Einheimischen, ob es diese Schlangen alle hier im Nationalpark gebe, und zu meiner grossen Freude erzaehlt er mir freudig, dass es ALLE dieser Schlangen hier gibt, dass sie ALLE hier gefunden wurden. Und, ach ja, gestern hat er fuenf davon auf dem Weg durch den Park gesehen. aber nur 18 Arten sind giftig. Die anderen 22 sind harmlos. Tja, 50:50...
Gott sei Dank begegnen wir keiner Schlange auf dem Weg und kommen bald zu einer Treppe. Wir steigen die Stufen hinunter und vor uns eroeffnet sich der Blick auf den Wasserfall des Rio Celeste:

Unglaublich! Ein Fluss wie aus einem Feenland, sagt Hanna. Als haette man ihn einer gruendlichen Photoshopbehandlung unterzogen. Wunderschoen. Auf dem weiteren Weg kommen wir immer wieder an den Fluss und letzten Endes auch an die Stelle, an welcher die Blaufaerbung beginnt. Grund fuer die intensive Farbe sind Mineralien im Boden, erklaert man uns.
Highlight ist am Ende das Bad im Rio celeste, dem himmelblauen Fluss. Witzig ist, dass der Fluss in ganz normaler Flusstemperatur vor sich hinfliesst, an unserer Badestelle jedoch ein kleines Becken abgetrennt ist, in dem er richtig warm ist. Nach dem Bad stinken wir nach Schwefel und freuen uns auf viele Sitzplaetze auf der morgigen Busfahrt.
Der Rio celeste ist ein super Ausflugsziel. Wir sind auf Empfehlung darauf gekommen, in den Reisefuehrern ist dieser Ort kaum beschrieben und die Verbindung nach Bijagua als schwerlich dargestellt, doch eigentlich muss man nur einen Bus nehmen, wie ueberall sonst auch.
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Im Reisefuehrer wird empfohlen, zwischen 4 und 5 Uhr in der Frueh aufzubrechen, Hanna und Christina wollen jedoch, gezwungen von ihrer Zeit-Neurose - sehr zu Maxis Freude - bereits um 3 Uhr starten. Also klingelt um 2:30 der Wecker, Zaehneputzen und dann geht es mit Muetze, Handschuhen und gefuehlten 10 Schichten Pullis ausgestattet los. Nur im Schein unserer Taschenlampen stolpern wir die ersten Kilometer ueber Stock und Stein. Ueber uns ein atemberaubender Sternenhimmel - zumindest bis der erste Nebel aufzieht und bald die Sicht verdeckt.
Nachdem wir die tschechische Reisgruppe und das deutsche Paerchen trotz unseres gefuehlten Schneckentempos ueberholt haben, sind wir an vorderster Front. Insgesamt gilt es an diesem Morgen noch 5,1 Kilometer bis zum Gipfel zu ueberwinden.

Nach der Rucksackschlepperei vom Vortag, haben wir uns entschlossen, nur noch einen gemeinsamen Rucksack mitzunehmen, Christina beschliesst, ihre Schicht auf einmal zu erledigen und traegt ihn die letzten zwei von drei Stunden zum Gipfel - tapfer. Zunaechst geht es nur leicht bergauf, die letzten Meter jedoch zieht es nochmal richtig an. Schritt fuer Schritt schleppen wir uns den klettersteigartigen Pfad hinauf. Hanna passiert den Gipfel als Erste! Nach und nach kommen auch die anderen angeschnauft. Ein Gefuehl der absoluten Befreiung, Erleichterung, Freude und eine Portion Stolz steigen in uns auf, als wir bei Eiseskaelte Gipfelfotos schiessen.

Wir stehen auf 3820 Metern Hoehe, unter uns ein Meer aus im Licht der aufgehenden Sonne getraenkten Wolken. Die Welt so unberuehrt und fast schon surreal.

Bald jedoch ziehen immer mehr Nebelschwaden herauf und verdecken die Sonne - es wird unertraeglich kalt und wir beschliessen, den Abstieg zu beginnen.
Wieder unten an der Huette gibt's Fruehstueck und nach kurzer Durchhaengerphase, waehrend der so mancher von uns gar einschlaeft, zwingen wir uns, den Weg nach ganz unten anzugehen. Die gerade noch so unertraegliche Kaelte verwandelt sich bald wieder in schweisstreibende Hitze und nocheinmal durchwandern wir die interessanten Vegatationszonen, bis endlich das 5 Kilometerschild in Sicht rueckt! Der letzte Kraftakt bringt manche von uns an ihre koerperlichen Grenzen doch letztendlich kommen wir alle vermuskelkatert und bis auf ein paar Blasen und Blessuren unbeschadet unten an.
Zur Feier des Tages gehen wir drei zusammen mit unserem Mitwanderer George, dem unheimlich netten Texaner, fein essen. -Trotz Anstrengung eine wundervolle Wanderung und ein unvergessliches Ereignis!
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13.03. - Um 5:15 Uhr stehen wir am Fusse des Chirripo, auf ca. 1400 Meter. Hochmotiviert, wenn auch etwas verschlafen, beginnen wir den Aufstieg, bis wir nach 200 Metern schweissgebadet trotz Kaelte unsere erste Pause einlegen und uns unserer warmen Klamotten entledigen. Noch weitere 14 Kilometer? Unmoeglich! So kommt es uns zumindest vor. Doch jetzt schon aufgeben waere ja gelacht - weiter geht`s und schon bald werden wir vom ersten Ausblick belohnt!

Die sieben Kilometer zur ersten groesseren Pause erscheinen zwar endlos, doch wir kommen gut voran. Dort angekommen genehmigen wir uns ersteinmal den mitgebrachten Reis, Wasser und Bananen.

Irgendwann heisst es dann wieder aufbrechen, wollen wir doch heute noch oben ankommen. Mit schweren Fuessen machen wir uns auf. Zunehmende Hitze und Hoehe bereiten uns mehr und mehr Schwierigkeiten. Wir brauchen einige Zeit, um unseren Rhythmus zu finden. Wir gehen jetzt zwar langsamer, halten dafuer jedoch konstant unser Tempo - ein Muss fuer unseren holpernden Kreislauf.


Bald wechselt der Regenwald ...

zu Nebelwald, durchzogen von Baumskeletten.

Die letzten Kilometer kaempfen wir uns dann noch durch karge Paramo-Landschaft ...

bis endlich die Huette in Sichtweite rueckt! Grosse Erleichterung macht sich breit!

Fuer heute ist es geschafft. Einziger Kraftakt bleibt noch das Essenkochen, dann geht es gestaerkt um 7 ins Bett. Klappen zu, Licht aus, Beine tot.
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12.03. - 3:25 Uhr, der Wecker klingelt. Wir suchen unsere Sachen zusammen und putzen Zaehne, machen uns dann auf den Weg zum Ticketverkauf. Wir wollen unbedingt als erste da sein, Maxi erklaert uns fuer verrueckt, da der Verkauf ja erst um 06:30 Uhr beginnt. Wir bleiben jedoch eisern.
Und dann der Schock: Wir kommen beim Kartenverkauf an, doch statt wie erwartet niemanden vorzufinden, sehen wir bereits von Weitem, dass dort schon Leute stehen! Panisch zaehlen wir die Personen und unsere Horrovorstellung wird wahr: 8 Personen stehen vor dem Eingang, genau 8, keiner mehr und keiner weniger. Eine tschechische Reisegruppe von 8 Personen hat einfach vor dem Kartenhaus uebernachtet - verrrueckt! Das Problem: Es gibt nur 10 Tickets und wir sind drei Leute. Tja - Pech gehabt. Wir haben den ganzen Weg nach San Gerardo umsonst gemacht. Der Chirripo wird ein Traum bleiben.
Aber nein, probieren kann man's ja! Vielleicht hat jemand Mitleid mit uns? Jetzt sind wir ja eh schon wach, da koennen wir auch noch warten.
In der naechsten halben Stunde tauchen noch 3 weitere Personen auf, ein deutsches Paar und der Texaner George, den wir bereits am Vortag kennengelernt haben. Das deutsche Paerchen hat es besonders schlimm getroffen. Sie haben eine gefuehrte Costa Rica Reise gebucht, die jedoch hinten und vorne nicht hinhaut. Der Reiseleiter bekommt einfach nichts gebacken, da machen die Chirripo-Tickets auch keine Ausnahme. Zu fuenft harren wir also der Dinge.
Langsam geht die Sonne auf. Punkt halb sieben oeffnet ein Tico die Tore zum Kartenverkauf. "10 Tickets, there are only ten tickets."
Hier kuerze ich die ganze Geschichte ein wenig ab: Nach laengerer Diskussion laesst sich der Kartenverkaeufer doch tatsaechlich erweichen und wir bekommen alle fuenf ein Ticket! Gott sei Dank! Eigentlich hatten wir nicht mehr daran geglaubt. In Hochstimmung kehren wir zum Hostel zurueck und treffen alle noetigen Vorbereitungen fuer den morgigen Tag - was fuer ein Glueck!

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