Montag, 29. April 2013
Luxus-Mahl am Bilderbuchstrand

14.04. - Sonntag. Strahlender Sonnenschein. Gegen Mittag holen uns Pat und Darrell die Grosseltern der Familie, bei der wir untergekommen sind, ab. Auf dem Weg gabeln wir noch die juengste Schwester Maritte, ihren Mann Eduardo und deren Kinder Leola und Juvio auf. Kurze Diskussion ueber das genaue Ziel. Eduardo gewinnt: Wir fahren an einen Super-Geheim-Tipp-Strand um nach Austern zu suchen. An einem unscheinbaren Parkplatz steigen wir aus. Es geht einen steilen Huegel hinunter, der urspruengliche Pfad wurde anscheinend vor kurzer Zeit vom Meer ausgespuelt. Und unten angekommen eroeffnet sich einmal mehr das atemberaubende Campbellriver-Panorama vor uns: blaues Meer vor gruenem Wald vor Bergkette mit verschneiten Gipfeln - das macht jedem Bilderbuch Konkurrenz. Und dann soll es hier auch noch Austern geben! Hanna und ich haben da ja unsere Zweifel, machen uns aber trotzdem auf die Suche. Wir stossen auf lila Seesterne, Krebse, die unter Steinen hervorlugen, und letztendlich dann: "Ahhh I found them, there they are!" Eduardo hat sie als erster entdeckt, die Austern. Ueber den Boden verstreut liegen an einer Stelle am Strand diese unauffaelligen und doch so heissbegehrten Muscheln fest verschlossen in ihren dicken Schalen. Wir sammeln jeder so viele, wie wir in zwei Haenden tragen koennen.

Nachdem wir mit der Schaufel noch nach "clams" gesucht haben (und dabei auf einen widerwaertiges, wurmartiges Etwas gestossen sind),

machen wir uns auf zum benachbarten Strand. Dort warten die Grosseltern auf uns, die bereits ein Lagerfeuer entfacht haben. Auf einem Grillgitter ueber der Glut brutzeln bald die frischgepflueckten Austern. Ich bin ja heilfroh, dass wir sie nicht roh essen muessen. Eduardo verfeinert sie dann noch mit Sweet-Thai-Chili-Sauce. Dennoch bin ich etwas skeptisch, als es ans Probieren geht ...

Aber da muss ich jetzt schon durch. Und erstaunlicherweise: Es schmeckt gar nicht so scheusslich. Gut, koennte an der Thai-Sosse liegen, die den Geschmack doch deutlich dominiert ... Ich mein', ich muesst's jetzt nicht jeden Tag haben, roh sowieso nicht und ich war schon froh um den Hotdog, den es danach noch gab, aber immerhin. Die Austerschale heb' ich natuerlich nach bestandener Challenge auf. Nach dem Essen geniessen wir die Abendsonne, dann gibt's noch ein besonderes Highlight von der Oma fuer die zwei Kleinsten: In der Naehe befindet sich ein Geocaching-Box, soviel wird verraten. Geocaching ist hier ein weitverbreitetes GPS-Spiel. An versteckten Stellen befinden sich Boxen, die kleine "Schaetze" bergen. Mit speziellen Apps und GPS kann man die Boxen in der Umgebung bis auf einige Meter genau orten. Dann geht die Sucherei los, was mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann. Die Box hier haben die Grosseltern bereits gefunden. Mit der Hilfe von Pat finden Juvio und Leola das Kistchen recht schnell. Leider haben wir nichts zum "traden" dabei. Man kann naemlich einen der Boxinhalte gegen eine andere Kleinigkeit austauschen. (http://www.geocaching.com/). Macht nichts, die Suche allein war es wert. Die Sonne sinkt immer tiefer, Zeit fuer Leola und Juvio ins Bett zu kommen, also brechen wir auf. Ein wunderschoener Ausflug, an den uns auch noch am naechsten Morgen unsere nach Rauch und Austerschalen stinkenden Klamotten und Haare erinnern ...

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Mittwoch, 27. März 2013
Ticos gleich Nicas?

23.03.13 -27.03.13 Nicaragua - sollen wir es wirklich wagen? Ein Land vor dessen Bereisung auf der Seite des Auswaertigen Amtes abgeraten wird.

"In Taxis kann es zu Raubüberfällen kommen, bei denen vereinzelt auch Schusswaffen eingesetzt werden.(...) Auch bei Tageslicht oder für Gruppenreisende sind Taxis kein sicheres Verkehrsmittel."

Jetzt sitzen wir in einem der besten Hostels (Casa Oro in San Juan del Sur) der ganzen Reise, gluecklich und das erste Mal seit Laengerem entspannt. Gespraeche ueber die Reisezeit mit Maxi, den wir gestern verabschieden mussten, 10 neue, sehr interessante Bekanntschaften mit Reisenden im Hostel und viel Ruhe. Genau das, was wir gebraucht haben.

Aber ist Nicaragua wirklich so anders als Costa Rica? Nach der kurzen Zeit und nur zwei Orten, die ich in diesem Land gesehen habe - um mich dan sofort in dieses zu verlieben - ist fuer mich definitiv JA die Antwort.

Nachdem wir die Grenze nach Nicaragua ueberschritten haben, steigen wir in den Bus nach Rivas, von dem aus die Faehre nach Ometepe, unserem Zielort, geht. Der Bus allein ist schon ganz anders als die Busse in Costa Rica. Nicht neu, modern und "langweilig", sondern bunt bemalt und im Stil amerikanischer Schulbusse, nur sehr alt und - wie gesagt - sehr bunt. Unsere Rucksaecke werden nicht wie in Costa Rica in Gepaeckstauraeume mit Namenszettelchen versehen sicher verstaut, sondern auf das Busdach geschmissen und mit waescheleinenartigen Schnueren irgendwie befestigt. Als der vollste Bus, in dem ich in meinem Leben je war, sich dann nach 10 Minuten in Bewegung setzt, fangen alle Nicas aus Freude darueber an zu johlen und zu pfeifen. Ein sehr leidenschaftliches, emotionales und unterhaltsames Volk. Auch wenn der Bus andere ueberholt, wird geklatscht und geschrien. (Einschub von Christina: Ich lerne auf der Busfahrt zwei kleine Maedchen kennen. Die beiden wollen etwas Deutsch lernen und kraehen bald begeistert den Satz "Wie heisst Du?" durch den Bus. Ihr Liebelingsspiel ist es, andere Leute zu beruehren. Ich trage - wie immer - meine Wertsachen sicher unter dem T-Shirt. Mit einem begeisterten "Que toco, que toco?" entdeckt Paula die Bauchtasche und hebt bald mein T-Shirt hoch, um den Fund zu begutachten - tja, das wars wohl mit meinem Geheimfach)

Der Ort Moyogalpa auf Ometepe ist einer meiner Lieblingsorte soweit. Verschlafen, sehr urspruenglich, kleine Kraemerlaeden, keine Supermaerkte und die Leute sind sehr offen. In einem der kleinen Laeden entstand dieses Foto:

In San Juan del Sur, unserem zweiten Stopp, ist zwar nichts mehr urspruenglich, da es einer der touristischsten Orte Nicaraguas ist, aber die Leute sind immer noch so freundlich. Man hoert auch immer wieder von den Vorwuerfen, die Ticos seien arrogant und reich. Ich bin definitiv nicht in der Position darueber ein Urteil faellen zu duerfen und doch sind mir die Nicas bis jetzt sympathischer.

Vom Thema Gewalt und Kriminalitaet haben wir nichts mitbekommen, aber das nach 5 Tagen und an den sichersten Orten Nicaraguas behaupten zu koennen, ist auch keine Kunst.

Ein letzer Unterscheid:Nicaragua ist spottbillig verglichen mit Costa Rica (bis auf - zu meinem unendlichen Bedauern - Nutella).

Abschliessend eine Geschichte von heute, nach der das Land endgueltig seinen Platz in meinem Herzen erobert hat: Als wir heute auf dem Markt schlendern, sehe ich ein kleines Maedchen an einem Obststand auf dem Schoss ihrer Mutter sitzen. Das perfekte Fotomotiv. Die Kamera sowieso schon gezueckt, um die schoenen Staende zu fotografieren, traue ich mich nicht abzudruecken. Einen Menschen ungefragt zu fotografieren - schwierig. Doch der Vater sieht meinen Blick und ermutigt mich auf Spansich, das Bild doch zu machen. Als ich das Maedchen nochmal, um ganz sicher zu gehen, auf meinem gebrochenen Spanisch um Erlaubnis frage, versteckt sie sich schuechtern hinter ihrer Mutter. Also will ich schon aufgeben, als der Vater nochmal auf das Maedchen einreden will, ich ihm aber sage - ueber meine sehr empfehlenswerte Dolmetscherin Christina - dass ich niemanden fotografieren will, der das nicht will. Daraufhin deutet er auf die Grossmutter, die auch am Stand sitzt, und meint, dann soll ich doch von ihr eines machen und sie winkt mich freudig herbei. Als ich das Foto also habe, laufen alle (auch Nicas von umstehenden Staenden) herbei und wollen das Foto auf dem kleinen Display sehen und sind ganz begeistert. Als letztes zeige ich das Bild dem kleinen Maedchen. Durch Grossmutters Mut angespornt, entscheidet sie sich doch noch fuer ein Foto zu posieren. Eine so nette Familie, ein schoenes Bild, ein schoener Nachmittag, ein grandioses Land.

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Dienstag, 26. März 2013
Himmelblau

22.03. - Angekommen im kleinen Dorf Bijagua im Norden Costa Ricas starten wir unsere Tour am Morgen. Der Fahrer des Shuttles, mit dem wir in den Nationalpark fahren wollen, kommt ganz gemaess des costaricanischen Zeitempfindens eine Dreiviertelstunde zu spaet. Am Nationalparkeingang empfangen uns Einweckglaeser mit toten Schlangen. Entsetzt frage ich einen Einheimischen, ob es diese Schlangen alle hier im Nationalpark gebe, und zu meiner grossen Freude erzaehlt er mir freudig, dass es ALLE dieser Schlangen hier gibt, dass sie ALLE hier gefunden wurden. Und, ach ja, gestern hat er fuenf davon auf dem Weg durch den Park gesehen. aber nur 18 Arten sind giftig. Die anderen 22 sind harmlos. Tja, 50:50...

Gott sei Dank begegnen wir keiner Schlange auf dem Weg und kommen bald zu einer Treppe. Wir steigen die Stufen hinunter und vor uns eroeffnet sich der Blick auf den Wasserfall des Rio Celeste:

Unglaublich! Ein Fluss wie aus einem Feenland, sagt Hanna. Als haette man ihn einer gruendlichen Photoshopbehandlung unterzogen. Wunderschoen. Auf dem weiteren Weg kommen wir immer wieder an den Fluss und letzten Endes auch an die Stelle, an welcher die Blaufaerbung beginnt. Grund fuer die intensive Farbe sind Mineralien im Boden, erklaert man uns.

Highlight ist am Ende das Bad im Rio celeste, dem himmelblauen Fluss. Witzig ist, dass der Fluss in ganz normaler Flusstemperatur vor sich hinfliesst, an unserer Badestelle jedoch ein kleines Becken abgetrennt ist, in dem er richtig warm ist. Nach dem Bad stinken wir nach Schwefel und freuen uns auf viele Sitzplaetze auf der morgigen Busfahrt.

Der Rio celeste ist ein super Ausflugsziel. Wir sind auf Empfehlung darauf gekommen, in den Reisefuehrern ist dieser Ort kaum beschrieben und die Verbindung nach Bijagua als schwerlich dargestellt, doch eigentlich muss man nur einen Bus nehmen, wie ueberall sonst auch.

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