Sonntag, 10. März 2013
Reptilien(zu)haus(e)

18ter Februar. Ankunft auf der Station, welche unser Ausgangspunkt fuer Abenteuer, neue Bekanntschaften und generell fuer unsere Reise werden sollte.

Schon Miguel, unser Ansprechpartner fuer die folgenden 9 Tage, sowie Besitzer der Finca und Leiter des Projektes Arbofilia, ließ uns, als er uns von San Jose abholte, mal einen kleinen Zeh in den folgende Abenteuerpool tauchen.

Der Truck-Van-Hippibus, mit dem er uns naemlich abholte, war nicht nur wunderschoen anzusehen und uralt, sondern hatte weder einen funktionierenden Anlasser, noch ganz koschere Tueren. Diese mussten naemlich durch einen Schieberiegel von innen heraus mit Kneifzangen zusammengeklemmt und gehalten werden. Klingt recht einfach, war aber jeweils eine Prozendur auf beiden Seiten von circa 5 Minuten. Mit Alibisitzgurten gings dann also los ins Ungewisse.

Angekommen mitten im Urwald in stockfinsterer Nacht, durften wir erst das Auto verlassen, nachdem wir eindringlichst auf die Schlangengefahr hingewiesen worden waren. Also ging es, gefuehrt durch das Taschenlampenlicht, Schritt fuer Schritt in Habachthaltung, in unserer Finca. Ohne Fenster, ohne Tueren, wie ein Baumhaus am Boden.

Die Vorsichtsmassnahmen klingen uebertrieben?
Nachdem Chrissi schon am ersten Tag am 500 Meter entfernten Fluss eine Schlange gesichtet hatte (was absolute Panik zur Folge hatte und ein angstverzerrtes Gesicht, das ich meine Leben nicht vergessen werde), wurden 3 Tage spaeter Horrorgeschichten wahr. Da es Abends im Dschungel doch recht kuehl wird, wollte ich mir nur in FlippFlopps und Shorts einen Pullover vom oberen Stockwerk der Finca holen. Auf dem Weg sah ich etwas aus dem Augenwinkel im Schein der Taschenlampe und drehte mich um. Nicht mal 20 cm neben mir lag eine circa ein Meter lange Schlange. Das interessante fuer mich an dieser Stelle ist, dass ich weder in Panik anfing zu Kreischen noch orientierungslos anfing wegzulaufen, sondern in aller Ruhe den anderen, die nebenan in der Kueche sassen Bescheid sagte und mich langsam rueckwaerts von der Schlange entfernte.

Miguel und die zwei deutschen Freiwilligen, die mit uns die Woche die Finca bewohnten, kamen mit Ihren Macheten, die wir immer bei uns trugen, angelaufen und wichen entsetzt zurueck als Miguel die Befuerchtung bestaetigte: Eine der giftigsten Schlangen Costa Ricas, Bothrops Asper.

Nachdem Arved aus sicherer Entfernung einen Baumstamm nach ihr geworfen hatte, der sie auch tatsaechlich verletzte, zerschlug Miguel sie dann mit seiner Machete um das ganze dann damit zu beenden, ihr den Kopf abzutrennen.

Bewundernswert fand ich in dieser Situation nicht nur die Jungs, die schnell und effizient handelten, sondern auch Chrissi, die trotz ihrer schon fast phobischen Angst nicht in der Kueche blieb sondern um die Ecke lurte und sich das Ganze mitansah. Hut ab.

Der ernst der Situation wurde mir erst Tage spaeter bewusst. Ein Schritt weiter links in der Dunkelheit -> Schlangenbiss-> 3-4 Stunden zu leben ohne Gegengift. Aber das Problem war, wir waren mitten im Urwald, vier Autostunden vom naechsten Krankenhaus entfernt. Waere knapp geworden.

Nach dem Ereignis wurden dann die Horrorgeschichten der Region von Miguel ausgepackt. Todeszahlen in den letzten Jahren und Sichtungen von Schlangen in und um die Station in letzter Zeit. Arme Chrissi.

Fazit:
1.Wenn einen Einheimische vor etwas warnen, sollte man diese verdammt ernstnehmen und nie nachsichtig werden.
2. Ich habe keine Angst vor Schlangen und sollte mir mehr Respekt vor solchen Situationen antrainieren.

(Hanna)

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren