23.03.13 -27.03.13 Nicaragua - sollen wir es wirklich wagen? Ein Land vor dessen Bereisung auf der Seite des Auswaertigen Amtes abgeraten wird.
"In Taxis kann es zu Raubüberfällen kommen, bei denen vereinzelt auch Schusswaffen eingesetzt werden.(...) Auch bei Tageslicht oder für Gruppenreisende sind Taxis kein sicheres Verkehrsmittel."
Jetzt sitzen wir in einem der besten Hostels (Casa Oro in San Juan del Sur) der ganzen Reise, gluecklich und das erste Mal seit Laengerem entspannt. Gespraeche ueber die Reisezeit mit Maxi, den wir gestern verabschieden mussten, 10 neue, sehr interessante Bekanntschaften mit Reisenden im Hostel und viel Ruhe. Genau das, was wir gebraucht haben.
Aber ist Nicaragua wirklich so anders als Costa Rica? Nach der kurzen Zeit und nur zwei Orten, die ich in diesem Land gesehen habe - um mich dan sofort in dieses zu verlieben - ist fuer mich definitiv JA die Antwort.
Nachdem wir die Grenze nach Nicaragua ueberschritten haben, steigen wir in den Bus nach Rivas, von dem aus die Faehre nach Ometepe, unserem Zielort, geht. Der Bus allein ist schon ganz anders als die Busse in Costa Rica. Nicht neu, modern und "langweilig", sondern bunt bemalt und im Stil amerikanischer Schulbusse, nur sehr alt und - wie gesagt - sehr bunt. Unsere Rucksaecke werden nicht wie in Costa Rica in Gepaeckstauraeume mit Namenszettelchen versehen sicher verstaut, sondern auf das Busdach geschmissen und mit waescheleinenartigen Schnueren irgendwie befestigt. Als der vollste Bus, in dem ich in meinem Leben je war, sich dann nach 10 Minuten in Bewegung setzt, fangen alle Nicas aus Freude darueber an zu johlen und zu pfeifen. Ein sehr leidenschaftliches, emotionales und unterhaltsames Volk. Auch wenn der Bus andere ueberholt, wird geklatscht und geschrien. (Einschub von Christina: Ich lerne auf der Busfahrt zwei kleine Maedchen kennen. Die beiden wollen etwas Deutsch lernen und kraehen bald begeistert den Satz "Wie heisst Du?" durch den Bus. Ihr Liebelingsspiel ist es, andere Leute zu beruehren. Ich trage - wie immer - meine Wertsachen sicher unter dem T-Shirt. Mit einem begeisterten "Que toco, que toco?" entdeckt Paula die Bauchtasche und hebt bald mein T-Shirt hoch, um den Fund zu begutachten - tja, das wars wohl mit meinem Geheimfach)
Der Ort Moyogalpa auf Ometepe ist einer meiner Lieblingsorte soweit. Verschlafen, sehr urspruenglich, kleine Kraemerlaeden, keine Supermaerkte und die Leute sind sehr offen. In einem der kleinen Laeden entstand dieses Foto:

In San Juan del Sur, unserem zweiten Stopp, ist zwar nichts mehr urspruenglich, da es einer der touristischsten Orte Nicaraguas ist, aber die Leute sind immer noch so freundlich. Man hoert auch immer wieder von den Vorwuerfen, die Ticos seien arrogant und reich. Ich bin definitiv nicht in der Position darueber ein Urteil faellen zu duerfen und doch sind mir die Nicas bis jetzt sympathischer.
Vom Thema Gewalt und Kriminalitaet haben wir nichts mitbekommen, aber das nach 5 Tagen und an den sichersten Orten Nicaraguas behaupten zu koennen, ist auch keine Kunst.
Ein letzer Unterscheid:Nicaragua ist spottbillig verglichen mit Costa Rica (bis auf - zu meinem unendlichen Bedauern - Nutella).
Abschliessend eine Geschichte von heute, nach der das Land endgueltig seinen Platz in meinem Herzen erobert hat: Als wir heute auf dem Markt schlendern, sehe ich ein kleines Maedchen an einem Obststand auf dem Schoss ihrer Mutter sitzen. Das perfekte Fotomotiv. Die Kamera sowieso schon gezueckt, um die schoenen Staende zu fotografieren, traue ich mich nicht abzudruecken. Einen Menschen ungefragt zu fotografieren - schwierig. Doch der Vater sieht meinen Blick und ermutigt mich auf Spansich, das Bild doch zu machen. Als ich das Maedchen nochmal, um ganz sicher zu gehen, auf meinem gebrochenen Spanisch um Erlaubnis frage, versteckt sie sich schuechtern hinter ihrer Mutter. Also will ich schon aufgeben, als der Vater nochmal auf das Maedchen einreden will, ich ihm aber sage - ueber meine sehr empfehlenswerte Dolmetscherin Christina - dass ich niemanden fotografieren will, der das nicht will. Daraufhin deutet er auf die Grossmutter, die auch am Stand sitzt, und meint, dann soll ich doch von ihr eines machen und sie winkt mich freudig herbei. Als ich das Foto also habe, laufen alle (auch Nicas von umstehenden Staenden) herbei und wollen das Foto auf dem kleinen Display sehen und sind ganz begeistert. Als letztes zeige ich das Bild dem kleinen Maedchen. Durch Grossmutters Mut angespornt, entscheidet sie sich doch noch fuer ein Foto zu posieren. Eine so nette Familie, ein schoenes Bild, ein schoener Nachmittag, ein grandioses Land.

super schönes Bild!
Viel Spaß noch Euch beiden, bei der abenteuerlichen Reise!
Liebe Grüße
Gabi
Just realised I can comment here. The blog is great - I just read it through. Also the photos on dropbox. I sent you an e-mail with more comments and also passed on the address to Gareth, Ruth and Greg. Enjoy the rest of your time in Costa Rica.
Chris
unendlich schön und informativ. Wir bewundern Dich!
Grüße an Chrissi,
herzlichst Mimi, Heiner,Sophie, Jacob und natürlcih Lenny und Billy
