Eine Woche haben wir mitten im Urwald gelebt. Geplant waren allerdings zwei Wochen und eigentlich sind wir auch mit dem festen Vorsatz in den Corredor gefahren, dort zwei Wochen zu verbringen und die Schuhgröße unseres ökologischen Fußes durch das Pflanzen einiger Bäume wenigstens etwas zu verringern. Bereits am ersten Arbeitstag jedoch werden wir statt mit Spaten und jungen Bäumen mit Sägen und nach Blausaeure stinkendem toxischen Kleber ausgestattet und müssen einen Vormittag lang Plastikrohre zurechtschneiden. Gut, eine Ausnahme, denken wir optimistisch und finden es noch recht interessant, wie Miguel, der Projektleiter, Wasserfilter gestaltet ("Ah sisters, you always have to design something" - mit sisters waren immer wir gemeint). Am nächsten Tag jedoch, geht es in aller Früh den Berg hinauf zu einer wunderschönen Urwaldquelle, die bereits durch einige Rohre und eine Plastiktonne verschandelt ist. Den Vormittag verbringen wir dann damit, dort weitere Plastikrohre zu installieren, entdecken dabei Rohre, die ins Niemandsland fuehren, deren Funktion uns keiner erklaeren kann. Und am folgenden Tag - man wird es kaum erahnen - geht es noch ein weiteres Mal zur Quelle. Abschlussarbeiten. Den Standpunkt der neuen Tonne festbetonieren, ein erhitztes Metallrohr mit Antirostfarbe besprühen, und weitere Plastikrohre verlegen.

An diesem Abend beschließen wir endgültig, das Projekt eine Woche früher zu verlassen.
Die Wasserrohre haben wir zur Bewässerung der neuen Kakaoplantagen gelegt. Die Kakaoplantagen sind als Lebensgrundlage des nahegelegenen Dorfes gedacht. Eigentlich kein schlechtes Projekt, doch ganz anders, als wir es uns vorgestellt hatten, und auf keinen Fall ein Projekt zur Regenwaldwiederaufforstung. Man muss jedoch auch erwähnen, dass Arbofilia - den Erzählugen Miguels zu Folge - schon einiges an Wiederaufforstung geleistet hat. Angeblich hat das Projekt, das circa seit 30 Jahren besteht, einen erheblichen Teil des Regenwaldes um die Station herum gepflanzt, zuvor gab es dort anscheinend nur Brachland.
Für uns beide ging es letzten Endes ja nur um eine Woche, die wir auch in vollen Zügen genießen konnten, nahm die Projektarbeit doch meist maximal den Vormittag ein - mitten im Urwald zu leben ist einfach unglaublich aufregend.
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18ter Februar. Ankunft auf der Station, welche unser Ausgangspunkt fuer Abenteuer, neue Bekanntschaften und generell fuer unsere Reise werden sollte.
Schon Miguel, unser Ansprechpartner fuer die folgenden 9 Tage, sowie Besitzer der Finca und Leiter des Projektes Arbofilia, ließ uns, als er uns von San Jose abholte, mal einen kleinen Zeh in den folgende Abenteuerpool tauchen.
Der Truck-Van-Hippibus, mit dem er uns naemlich abholte, war nicht nur wunderschoen anzusehen und uralt, sondern hatte weder einen funktionierenden Anlasser, noch ganz koschere Tueren. Diese mussten naemlich durch einen Schieberiegel von innen heraus mit Kneifzangen zusammengeklemmt und gehalten werden. Klingt recht einfach, war aber jeweils eine Prozendur auf beiden Seiten von circa 5 Minuten. Mit Alibisitzgurten gings dann also los ins Ungewisse.

Angekommen mitten im Urwald in stockfinsterer Nacht, durften wir erst das Auto verlassen, nachdem wir eindringlichst auf die Schlangengefahr hingewiesen worden waren. Also ging es, gefuehrt durch das Taschenlampenlicht, Schritt fuer Schritt in Habachthaltung, in unserer Finca. Ohne Fenster, ohne Tueren, wie ein Baumhaus am Boden.
Die Vorsichtsmassnahmen klingen uebertrieben?
Nachdem Chrissi schon am ersten Tag am 500 Meter entfernten Fluss eine Schlange gesichtet hatte (was absolute Panik zur Folge hatte und ein angstverzerrtes Gesicht, das ich meine Leben nicht vergessen werde), wurden 3 Tage spaeter Horrorgeschichten wahr. Da es Abends im Dschungel doch recht kuehl wird, wollte ich mir nur in FlippFlopps und Shorts einen Pullover vom oberen Stockwerk der Finca holen. Auf dem Weg sah ich etwas aus dem Augenwinkel im Schein der Taschenlampe und drehte mich um. Nicht mal 20 cm neben mir lag eine circa ein Meter lange Schlange. Das interessante fuer mich an dieser Stelle ist, dass ich weder in Panik anfing zu Kreischen noch orientierungslos anfing wegzulaufen, sondern in aller Ruhe den anderen, die nebenan in der Kueche sassen Bescheid sagte und mich langsam rueckwaerts von der Schlange entfernte.
Miguel und die zwei deutschen Freiwilligen, die mit uns die Woche die Finca bewohnten, kamen mit Ihren Macheten, die wir immer bei uns trugen, angelaufen und wichen entsetzt zurueck als Miguel die Befuerchtung bestaetigte: Eine der giftigsten Schlangen Costa Ricas, Bothrops Asper.
Nachdem Arved aus sicherer Entfernung einen Baumstamm nach ihr geworfen hatte, der sie auch tatsaechlich verletzte, zerschlug Miguel sie dann mit seiner Machete um das ganze dann damit zu beenden, ihr den Kopf abzutrennen.
Bewundernswert fand ich in dieser Situation nicht nur die Jungs, die schnell und effizient handelten, sondern auch Chrissi, die trotz ihrer schon fast phobischen Angst nicht in der Kueche blieb sondern um die Ecke lurte und sich das Ganze mitansah. Hut ab.
Der ernst der Situation wurde mir erst Tage spaeter bewusst. Ein Schritt weiter links in der Dunkelheit -> Schlangenbiss-> 3-4 Stunden zu leben ohne Gegengift. Aber das Problem war, wir waren mitten im Urwald, vier Autostunden vom naechsten Krankenhaus entfernt. Waere knapp geworden.
Nach dem Ereignis wurden dann die Horrorgeschichten der Region von Miguel ausgepackt. Todeszahlen in den letzten Jahren und Sichtungen von Schlangen in und um die Station in letzter Zeit. Arme Chrissi.
Fazit:
1.Wenn einen Einheimische vor etwas warnen, sollte man diese verdammt ernstnehmen und nie nachsichtig werden.
2. Ich habe keine Angst vor Schlangen und sollte mir mehr Respekt vor solchen Situationen antrainieren.
(Hanna)
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