
Unsere Zeit im Yellowstone ist knapp bemessen: In zwei Tagen wollen wir so viel wie möglich vom Park sehen! Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass er nochmals um einiges größer ist als Yosemite. Glücklicherweise kommen wir an einem Sonntagnachmittag an, wodurch wir den Touristenmassen wenigstens etwas entgehen und noch einen Campingplatz ergattern können. Rudimentär wie immer mit Plumpsklo und ohne Dusche. Eine Wasserpumpe kommt auf 20 Campingplätze, Zahnpastaschaum und Spülwasser müssen aufgrund der Bärengefahr ins Kompostklo entsorgt werden - tiefe, schöne Einblicke vor dem Schlafengehen.
Alles schon fast Gewohnheit, aber zwei Unikate bereichern diesmal unsere Nachbarschaft: eine - wir wollen ja nicht vorurteilbelastet sein - Redneck-Familie mit eigenem Tipi und Riesenlagerfeuer und ein allein reisender eingefleischter Biker mit extrem südstaatlichem Kaumgummiakzent, der den nett gemeinten Satz "Do you need some firewood" schier unverständlich macht. Unsere Umgebung schließt schnell Freundschaft, und so wird die ganze Nacht geschrien und glelacht, trotz überall deklarierter Nachtruhe ab Acht.
Trotzdem bekommen wir unseren notwendigen Schlaf, kommen jedoch nicht wie geplant um Sieben aus den Federn. So verschiebt sich der Aufbruch etwas nach hinten, dennoch schaffen wir mit Zelt im Gepäck alles, was wir geplant haben: Ausbruch des Old Faithful Geysirs (wir kommen uns vor wie im Nature-Disneyland, so viele Touris drängen sich zum Ausbruch um den Geysir), eine Reihe brodelnder Ebenen aus Hotsprings, Geysiren und Schwefelflüssen - absolut bizarre, aber sehr schöne, mondähnliche Landschaften - weiter zum Grand Prysmatic Spring, ein unfassbares Spiel aus Farben, bis zu den Norris Geysirs mit dem Steamboat (größter Geysir der Welt) und Dutzenden weiterer brodelnder Quellen.

Am Abend dann wird's aufregend: Wir haben uns mal wieder Wilderness-Permits geholt. Diesmal mussten wir vorbereitend ein Info-Video ansehen, dass vor allen Gefahren des Wildcampens warnt, und außerdem mussten wir ein Seil kaufen. Nach dem Abendessen (die letzte Packung-Nudeln ist angebrochen!!) marschieren wir los zum Ice-Lake. Alles Essen und Zahnpasta haben wir vorsorglich beim Auto gelassen - wir wollen ja keine Bären anlocken. Irgendwann kommen wir bei Camp 4D2 an - seltsam, wir müssen zu Camp 4D1, hätten wir da nicht schon vorbeikommen müssen? Also wieder ein Stück zurück in der immer tiefer sinkenden Sonne und da ist es auch - eigentlich nicht zu übersehen - das Schild zu unserem Zeltplatz. Typisch! Jetzt geht es erst richtig los und das brandneue Seil kommt zum Einsatz: Um Bären von den Rucksäcken fernzuhalten, muss man diese mit dem Seil über einen Holzbalken hängen. Gar keine so leichte Aufgabe, auch wenn uns Hannas Klettererfahrung knotentechnisch zugute kommt (Julians Knoten-App kam leider nicht zum Einsatz, da unsere Handy-Akkus jämmerlich leer waren. Schade, hier wäre uns die zu Anfang der Reise von uns belächelte (Über)Vorsicht endlich doch mal zugute gekommen.) Nach erfolgreich gemeisterter Challenge wollen wir eigentlich noch etwas diesen einzigartigen Campingplatz genießen, den wir in vollkommener Wildnis so ganz für uns alleine haben, doch die Monstermoskitos treiben uns bald ins Zelt. Hier schlafen wir auch bald im letzten Tageslicht um 9:30 Uhr ein.

Am nächsten Morgen wandern wir am Seeidyll entlang wieder zu Migui und setzten die Besichtigung fort. Heute stehen Mammoth Hot Springs

und der Yellowstone Grand Canyon auf dem Programm. So ein Glück, dass wir da noch hingefahren sind: 50.000 Basketbälle voll Wasser donnern hier pro Sekunde in die Tiefen des Canyon und schlängeln sich durch das glebe Gestein. Wahnsinns-Ausblicke, vor allem, als wir direkt über den Lower Falls stehen und die hochstehende Sonne einen Regenbogen in die aufspritzende Gischt malt - das reinste Kitschpostkartenmotiv!

Am Abend dann: Same procedure as yesterday. Nudelabendessen an der Picknick-Area (das Geschirr wird langsam knapp), dann Aufbruch zum Cascade Lake. Hier scheint die Bärengefahr um einiges größer, also geht es klatschend und "Das Wandern ist des Müllers Lust" grölend über malerische Wildblumenwiesen zum heutigen Camping. Diesmal finden wir ihn auf Anhieb und gehen das Rucksackhissen ganz routiniert an. Auch hier treibt uns die Mückenpest schnell ins Zelt, obwohl wir uns mit tonnenweise NoBite eingesprüht haben. Im Zelt liegend dann wird uns doch etwas mulmig: Uns wurde ja sogar empfohlen, frische Klamotten zum Schlafen anzuziehen, um alle Gerüche so gering wie möglich zu halten, aber jetzt stinken wir bestialisch nach Mückenspray. Lockt das Bären an? Doch Gott sei Dank überleben wir die Nacht ohne Bärenbesuche und kommen auch so früh los, dass wir den Sonnenaufgang über See und Wildwiese bestaunen können.

Nachdem wir zurückgewandert sind, werden am Parkplatz noch Zähne geputzt und auf der Fahrt aus dem Nationalpark treffen wir ihn dann doch noch, den Bruno. Circa 50 Meter von der Straße entfernt macht er seinen Morgenspaziergang und erfreut damit einige Touriherzen (so auch unsere), die endlich ihren Bären treffen.

Links und rechts der Straße grasen Bisonherden seelenruhig in der Morgensonne und unsere Fahrt wird so manchmal von einem querenden Monstrum gestoppt. Insgesamt also ein perfektes Yellowstone-Erlebnis und trotz Touristenhorden auf jeden Fall ein Must See für jeden Naturfan!

Aber die Bilder und die Landschaft sind wirklich toll. Klar ist mir jetzt, warum es "Yellow Stone" heißt.
Warum lassen sich die Moskitos durch das Spray nicht abschrecken? Ich habe mal in einem Artikel mit großer Reichweite anderes verbreitet. Allerdings empfahl ich Autan (natürlich nur den Wirkstoff) aber Nobite ist doch noch härter, oder?
