In jedem Reiseführer wird er als großartig und als Erlebnis beschrieben, bei dem einem die Luft wegbleibt - das Naturphänomen Grand Canyon.
Unser Empfang an diesem Giganten aller Schluchten war jedoch alles andere als großartig, aber die Luft blieb uns schon weg. Wir wurden einmal mehr Zeugen deutscher Freundlichkeit: Da alle Campings im Park bei unsere Ankunft bereits voll waren, hatten wir uns an einem recht primitiven, aber schönen Camping kurz vor dem Parkeingang niedergelassen. Dort wurden wir auch gleich vom Campingranger auf seinem Golfcart begrüßt und bekamen von ihm höchstpersönlich einen Platz zugewiesen. Normalerweise muss man erst herumfahren und einen Platz suchen, dann zurückkommen und die Gebühr mit einem Registrierungszettel in ein Kästchen einwerfen. Wenn er aber gerade von seinem Rundgang zurückkommt, weiß er, welche Plätze noch zu haben sind. Wir sitzen als nach dem Essen nichtsahnend gemütlich beim Postkartenschreiben zusammen, das Zelt ist schon aufgebaut. Da hält plötzlich ein Auto genau neben uns aus. Ein Pärchen steigt aus und versucht uns auf Englisch mit stark deutschem Akzent klar zu machen, dass das hier ihr Campingplatz sei - der Mann mit sehr wütender Miene. Als wir herausgefunden haben, dass wir alle aus Deutschland kommen, verstehen wir langsam, dass sie, anscheinend kurz nachdem der Campingwart auf seinem Rundgang am Platz vorbeigekommen war, den Platz für sich reserviert haben. Das Erstaunen der beiden ist also verständlich, aber wir können ja auch nix dafür. Wir sind von der Situation jedoch schon recht unangenehm berührt und versuchen das Ganze mit verschiedenen Vorschlägen und Erklärungen wieder ins Lot zu bringen. Der Mann geht jedoch auf nichts davon ein und bleibt hart, ob der Tatsache, dass sie ja nur eine Taschenlampe zum Zeltaufbau und Kochen haben - naja, wir auch. Uns wird bald klar, dass von uns erwartet wird, dass wir unser Zelt uns all unser Equipment abbauen und den Platz wechseln. Also packen wir unsere Sachen vom Picknicktisch und machen uns auf den Weg zum Campwart, um eine Lösung für die beiden zu finden, während diese lediglich mit beleidigter Miene dastehen. Wir müssen den armen Mann bei seiner Feierabendruhe stören und ihm erstmal die Situation erklären. Er begleitet uns zurück zum Platz, dort haben die zwei Deutschen bereits ganz dreist ihren Picknickplatz aufgebaut und angefangen zu kochen. Auch der Campingwart kann nach einem kurzen Gespräch nicht recht nachvollziehen, weshalb die zwei nicht einfach den Platz wechseln. Da nun eine Autoritätsperson anwesend ist und dem Pärchen mit Nachdruck den oben genannten Lösungsvorschlag unterbreitet, lenkt dieses auch recht schnell ein. Also werden alle Kochutensilien wieder ins Auto gepackt und unser Retter fährt mit seinem Golfcart in den verdienten Feierabend. Hier könnte unsere kleine Geschichte eigentlich enden. Aber unser neuer Freund setzt noch einen drauf. Die Frau muss sich mit dem schon erhitzten Wasser im Kochtopf ins Auto setzen und unter Gefluche parkt er aus. Als nächstes hören wir einen lauten Rums. Die Frau schreit auf und wir gehen zum Auto, um zu sehen, was passiert ist. Der feine Herr hat die Lage schon sondiert und wirft uns nur ein "Hab nur euer Nummernschild ein bisschen verbogen" hin, bevor er ohne ein weiteres Wort ins Auto steigt und zu seinem neuen Stellplatz abdampft. Wir stehen etwas verdattert da. Aber stimmt schon: Eine Entschuldigung wäre wohl zu viel gewesen.

Bis auf diese unerfreuliche Begegnung gestaltet sich unser Aufenthalt am Grand Canyon jedoch ganz wunderbar. Wir bekommen leider nicht, wie geplant, Permits, um ganz unten am Colorado River zu übernachten, machen dafür aber einen tollen Tagesausflug hinab in den Canyon. Bei unglaublicher Hitze quälen wir uns den Bright Angel Trail hinunter bis in die Indian Gardens - eine Oase mitten in der Dürre des Grand Canyon. Dort machen wir eine ausgiebige Mittagspause und erst um 5, als die Sonne zu sinken beginnt, wagen wir uns wieder an den Aufstieg. Eine gute Entscheidung. In der Kühle der Abenddämmerung geht's fix und ohne zu große Anstrengung.
Nachdem wir am nächsten Morgen nochmal von einem Aussichtspunkt aus die Weiten des Canyons genießen konnten, geht's auch schon wieder weiter.
Gerti
Kh
hab es gerade zum ersten mal geschafft in euren Blogg zu schauen. Es hat bisher nie funktoniert, hab gerade Deine Karte wieder liegen sehen und man glaubt es nicht. Fast am Ende Deiner Reise gings doch noch. Bin schwer beeindruckt von Euren tollen Bildern und den tollen Berichten. Mir steigen die Tränen in die Augen und ich habe Gänsehaut bekommen. So eine tolle Reise, so tolle Bilder. Mensch, wenn ich nur auch nochmal so jung sein könnte. Ich wäre sofort dabei gewesen.
Wir freuen uns alle schon wahnsinnig, wenn Du wieder da bist und uns alles erzählen kannst.
Liebe Grüße und passt auf Euch auf.
Sandra
