Endlich! Diesen Moment hatten wir so lange herbeigesehnt. Zu den Klängen von "If you're going to San Francisco" rauschen wir über die Golden Gate Bridge.

Wir treffen uns mit unserem Couchsurfer nach einem Frühstück auf einem Hügel mit Blick ueber San Francisco. Unsere Park-Panik war zwar nicht unbegründet, löst sich aber trotzdem in Luft auf. Steven hat einen Guest-Parking für uns. Was für ein Glück! Außerdem stattet er uns mit einem Stadtplan und einem Haufen Informationen aus und so starten wir bestens vorbereitet auf Stadtbesichtigung: über Union Square und Theater District nach Chinatown.

... und durch den Financial District zum Telegraph Hill - eine tolle Sicht über die Hügel der californischen Stadt. Dort bekommen wir die Auswirkungen des frühen Aufstehens zu spüren und legen eine kurze Mittagspause ein. Auf dem Weg Richtung Ufer finden wir - der knurrende Magen dankt es - ein Straßenfest. Eine Stunde lang lassen wir uns durch die mit unwiderstehlichen Leckerbissen und Live-Musik gespickten Gassen treiben. Dann geht's weiter zur Lombard Street, der weltbekannten Schlaengelstrasse.

Kein Wunder, dass alle Bewohner dieser Stadt so fit sind - bei diesen Steigungen. Der Muskelkater im Hintern ist vorprogrammiert. Letzter Sightseeingpunkt des Tages dann: der unwahrscheinlich touristische Fisherman's Wharf. Erschöpft kommen wir abends wieder an der Wohnung des Couchsurfers an, der uns netterweise mit etwas Olivenöl und Knoblauch für unsere Nudeln aushilft. Ein richtiger Festschmaus, wenn man es mit der normalen Zutat vergleicht: Magarine.
Dann folgt ein durch Popcorn und Cookies verfeinerter Klassik-Filmabend mit dem Lieblingsfilm von Steven: Endlich sehen wir auch mal "Casablanca", obwohl es nicht leicht ist, die Augen noch offen zu halten nach der vielen Lauferei.
Den nächsten Tag beginnen wir mit einem Marsch zum Hostel. Da alle Tickets für eine Alcatraz-Besichtigung auf einen Monat hinaus ausgebucht sind, beginnen wir mit Teil zwei unserer Stadtbesichtigung: Golden Gate Park, durch Haight-Ashbury ...

... zu den Painted Ladies,

einer Reihe wunderschöner, bunt bemalter Häuser. Anschließend wollen wir eigentlich noch bis zur Golden Gate Bridge laufen, müssen uns aber ob unserer geschundenen Füße geschlagen geben und nehmen das Cable Car zurück in die Stadt. Eine abenteuerliche Fahrt über die Hügel San Franciscos, bei der nochmals alle Viertel an uns vorbeiziehen.

Als krönenden Abschluss unserer San Francisco Tour und als Belohnung für den Gewaltmarsch sowie das schlechte Essen der letzten Wochen laufen wir durchgefroren beim Inder ein. Dort füllen wir unsere Mägen mit dem hochgelobten Chicken Tikka Masala und Garlic Naan, was mehr aus Garlic als aus Naan bestand. Was für ein Genuss. Für Chrissi das erste indische Essen ihres Lebens, das sie schon mit leuchtenden Augen auf den drittenTeil der Reise hoffen lässt. (Für Hanna allerdings ist und bleibt das Maharani Restaurant am Stiglmaierplatz unschlagbar!!) Zum Flair tragen eine gehetzte Küchencrew und zeigefingerlange Kakerlaken bei.
Auf dem Heimweg werden uns dann die Schattenseiten San Franciscos vor Augen geführt: Die Straßen sind gesäumt von Obdachlosen. Schon am Morgen waren wir recht früh an einem Tourihotspot. Da noch nicht viele Menschen unterwegs waren, waren circa acht von zehn Menschen, denen wir begegneten, obdachlos. Vom Teilen unserer Cola bis hin zu Rufen "I will kill you!" hatten wir alles schon erlebt. Auffällig war, dass ungewöhnlich viele Leute Ticks hatten und teilweise deutlich mental verwirrt wirkten. Der schockierende Grund dafür wurde uns von unserem Couchsurfer erklärt: Der neue Bürgermeister San Franciscos hat enorme Kürzungen im Sozialwesen vorgenommen, worunter vor allem eine Psychatrie litt, die schließen musste und eine große Zahl heimatloser psychisch kranker Menschen auf die Straße setzte. Ob das wahr ist, wissen wir nicht genau, obwohl es angesichts der irrsinnigen Massen an verrückten Obdachlosen recht plausibel schien.
So bekamen wir also viele verschiedene Eindrück von San Francisco - eine schöne Stadt, in der jedoch nur noch wenig Blumen im Haar getragen werden (lediglich im inzwischen kommerzialisierten Haight-Ashbury), mit einer nicht zu übersehenden, jedoch von Touristen ignorierten Schattenseite.
