Plastikrohre?

Eine Woche haben wir mitten im Urwald gelebt. Geplant waren allerdings zwei Wochen und eigentlich sind wir auch mit dem festen Vorsatz in den Corredor gefahren, dort zwei Wochen zu verbringen und die Schuhgröße unseres ökologischen Fußes durch das Pflanzen einiger Bäume wenigstens etwas zu verringern. Bereits am ersten Arbeitstag jedoch werden wir statt mit Spaten und jungen Bäumen mit Sägen und nach Blausaeure stinkendem toxischen Kleber ausgestattet und müssen einen Vormittag lang Plastikrohre zurechtschneiden. Gut, eine Ausnahme, denken wir optimistisch und finden es noch recht interessant, wie Miguel, der Projektleiter, Wasserfilter gestaltet ("Ah sisters, you always have to design something" - mit sisters waren immer wir gemeint). Am nächsten Tag jedoch, geht es in aller Früh den Berg hinauf zu einer wunderschönen Urwaldquelle, die bereits durch einige Rohre und eine Plastiktonne verschandelt ist. Den Vormittag verbringen wir dann damit, dort weitere Plastikrohre zu installieren, entdecken dabei Rohre, die ins Niemandsland fuehren, deren Funktion uns keiner erklaeren kann. Und am folgenden Tag - man wird es kaum erahnen - geht es noch ein weiteres Mal zur Quelle. Abschlussarbeiten. Den Standpunkt der neuen Tonne festbetonieren, ein erhitztes Metallrohr mit Antirostfarbe besprühen, und weitere Plastikrohre verlegen.

An diesem Abend beschließen wir endgültig, das Projekt eine Woche früher zu verlassen.

Die Wasserrohre haben wir zur Bewässerung der neuen Kakaoplantagen gelegt. Die Kakaoplantagen sind als Lebensgrundlage des nahegelegenen Dorfes gedacht. Eigentlich kein schlechtes Projekt, doch ganz anders, als wir es uns vorgestellt hatten, und auf keinen Fall ein Projekt zur Regenwaldwiederaufforstung. Man muss jedoch auch erwähnen, dass Arbofilia - den Erzählugen Miguels zu Folge - schon einiges an Wiederaufforstung geleistet hat. Angeblich hat das Projekt, das circa seit 30 Jahren besteht, einen erheblichen Teil des Regenwaldes um die Station herum gepflanzt, zuvor gab es dort anscheinend nur Brachland.

Für uns beide ging es letzten Endes ja nur um eine Woche, die wir auch in vollen Zügen genießen konnten, nahm die Projektarbeit doch meist maximal den Vormittag ein - mitten im Urwald zu leben ist einfach unglaublich aufregend.

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swurb, Sonntag, 10. März 2013, 14:39
Unglaublich! Ich finde es gut, dass Ihr abgebrochen habt.

Danke für die Berichte ... gut, dass ich bei den Schlangen nicht dabei war. Meine Phobie ist wahrscheinlich noch ein wenig schlimmer als die von Chrizzly.

Gerti