27.06.13: Wir haben es mal wieder geschafft: frueh aufstehen. (Um ehrlich zu sein, nicht nur aus reiner Willensstaerke, sondern weil es so VERDAMMT warm geworden ist im Zelt - um Sechs!)
Also ging's gleich mal los zum Horse Shoe Bend. Wir hatten noch nie vorher was davon gehoert. In dem Magazin, das wir bei der Tankstelle bekommen hatten, wo wir nach Campings fragten, waren die Attraktionen in der Umgebung abgebildet und der Horseshoe war uns sofort ins Auge gesprungen. Nach 10 Minuten Autofahrt, 10 Minuten Gehen, vergessenem Kamera-Akku von Hanna und heissem Sand, standen wir an der Klippe eines Canyons. Der Ausblick: der Colorado River, der in Pferdehufform einmal im Halbkreis um eine Steinwand fliesst. Atemberaubend. Das Beeindruckendste, was ich (Hanna) bis jetzt auf der Reise gesehen hatte. Nachdem wir versucht hatten, dieses Phaenomen irgendwie auf ein Foto zu bannen, sassen wir noch eine Weile an der Klippe und bewunderten die Windung, die Farbe, die Unglaublichkeit dieses Flusses.

Ein norddeutsches Ehepaerchen, das sich koestlich ueber das "Scheisshaus" auf der Halbinsel amuesierte, machte noch ein Foto von uns und wir uns auf die Socken (oder eher Flip Flops).
Nachdem wir noch schnell den essentiell wichtigen Akku geholt hatten, ging's weiter zum heissersehnten Antelope Canyon. Lang hatten wir die Bilder bewundert (Windows-Hintergrund), doch nie gedacht, hier jemals selbst dieses Naturwunder bestaunen zu koennen. Fuer suendteure 25$ ging's mit einem Indianer und einer riesigen Tourigruppe in den Canyon. Ein recht schmaler Riss in der trockenen und roten Erdkruste stellte sich - nachdem wir es alle fuer einen Witz gehalten hatten - im Endeffekt als Einstieg herraus. Einer nach dem anderen quetschte sich hinein in das lichtverspielte und unvorstellbare Wunder. Wellenfoermig und fast seidig fliessend geformte Waende, die in allen Toenen von gelb bis orange erstrahlten, zogen sich die naechsten 400 Meter durch die wuestenaehnliche Landschaft. Mit uns mitten drinnen. Waehrend der Fuehrer uns mit den Rufen "Moneyshot! Moneyshot!" weiterlockte, konnten wir auch ein wenig mit dem Lichtspiel und der Kamera experimentieren.

Mit vielen guten Tipps des Fuehrers und der unverzichtbaren Schnelligkeit abzudruecken bevor wieder ein Touri um die Ecke bog, entstanden wirklich erstaunlich schoene Bilder. Nach 2 Stunden, einem schoenen abschliessenden indianischen Floetenspiel und leuchtenden Chrissi- und Hanna-Augen ging's wieder hinaus in die Hitze.

Der Hunger trieb eine hungrige Hanna zum PizzaHut und brachte Chrissi schlussendlich auch auf den Geschmack. Was fuer ein Luxus-Tag! Nach der Schlemmerei relaxten wir ein wenig am Campingplatz, doch die Hitze war so unertraeglich (auch im Schatten), dass wir schliesslich unsere Traegheit ueberwanden und in den Indoorpool sprangen, der so schoen kalt war, dass wir noch fuer unglaubliche 10 Minuten danach NICHT schmolzen. Wir entschieden uns trotz der 43 Grad und dem Horror, in das Auto (oder besser gesagt den Grillofen) zu steigen, der Einladung einer der Mitarbeiter vom Camping zu folgen und noch an den Lake Powell zu fahren. Ein See, der durch die Aufstauung des Colorado River entstanden ist.
Am See selbst hatten wir eine sehr interessante Unterhaltung mit dem getauften, mit indianischen Traditionen aufgewachsenen Einheimischen. Im Laufe des Gespraeches fielen vor allem Widerspruechlichkeiten in seinen Meinungen auf: Auf der einen Seite seine unglaubliche Ruhe und Verbundenheit mit seinen friedfertigen indianischen Wurzeln und im Gegenzug seine positive Einstellung zum Waffengesetz der USA. Chrissi und mein Unverstaendnis stiess wiederrum auf Verstaendnislosigkeit: "How could we be sure to have the freedom and the power to stand up against the government? Look at Afghanistan for example! Every kid over there has a rifle and that's why they could be sure to keep there freedom!"
Die Hitze zermatschte langsam, aber sicher (zusaetzlich zu dem konfusen Gefasel unseres Gespraechpartners) unsere Birne und wir mussten aus der Sonne. An welchen Ort denken natuerlich Klein-Christina und -Hanna, wenn sie Schutz, Essen, Ruhe, alles Essenzielle zum Gluecklichsein brauchen? Natuerlich! Walmart. Wir assen noch ein leckeres Torteneis als perfekten Abschluss eines perfekten Tages im klimatisierten Eingangsbereich unseres Lieblingsgeschaeftes (ausser Tim Hortons natuerlich)
Unglaubliches Arizona.
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Um ehrlich zu sein, waren wir schon kurz davor, ganz zu Beginn unserer drei Tage im Yosemite Nationalpark aufzugeben und weiterzufahren. Wir hatten uns eigentlich nicht zu viele Gedanken ueber den Park gemacht, mit toller Natur gerechnet, aber ganz bestimmt nicht mit den Touristenhorden. Doch als wir von Westen her ins Yosemite Valley einrollen, reiht sich Touri-Auto an Touri-Auto, der Day-Parking ist uebervoll und im Visitor Center draengen sich Menschenmassen. Wir sind voellig ueberfordert. Eigentlich wollten wir doch nur eine Wanderung hier machen. Eine Informationsflut ueberrollt uns. - Aber Gott sei Dank haben wir uns entschieden, trotzdem zu bleiben! Schon am Abend aendert sich die Lage. Wir landen auf einem kleinen Campingplatz, machen ein Lagerfeuer (ueber dem wir auch unsere Nudeln kochen muessen, weil unser Gas leider leer ist) und mummeln uns abends ins Zelt. Es folgen drei wunderschoene Wandertage fernab der Touristen-Massen. Eine Nacht campen wir auf einem Wilderness-Camping, zu dem wir erst hinlaufen muessen, wunderschoen an einem See gelegen. Alles in allem ein toller Stopp! Jedoch sehr anstrengend, da unser Campingequipment leider zu wuenschen uebrig laesst und wir die Naechte nur frierend ueberstehen.
Am Ende jedoch noch ein Schicksalstreffer: Am letzten Abend fahren wir auf gut Glueck Richtung Sueden. Leider ist Samstagabend und alle Campingplaetze sind gefuellt. Leichte Panik beginnt sich auszubreiten. Auf der Fahrt merken wir, dass wir vergessen haben, unsere Bear-Box abzugeben (akute Baerengefahr im Park, alles Essen muss nachts sicher in Bear-Boxes verstaut werden). Da alle Visitor Center schon geschlossen haben, fragen wir in einem Hotel nach, ob wir die Box dort abgeben duerfen, und erkundigen uns gleich nach Campingplaetzen. Die Frau an der Rezeption weiss uns zwar keinen Campingplatz, bietet uns dafuer jedoch fluesternd ein Hotelzimmer fuer 50 Dollar an. Irgendwer hat das Zimmer abgesagt und jetzt ist es frei. Wir hadern sehr mit uns ... Die Spargedanken sitzen tief. Doch die Vorstellung ist nach 3 durchfrorenen Naechten, 5 Tagen ohne Dusche und 2 Dreckschnurrbaerten einfach zu verlockend. Und es gibt sogar Fruehstueck! Etwas peinlich ist es, unsere ganzen stinkenden Proviantkisten durch das feine Hotel zu schleppen, aber es kommt auf die Haltung an und wir wollen ja nicht, dass ein Baer in unser Auto klettert. Nach ausgiebiger Koerperpflege stellen wir fest, dass wir eigentlich gar nicht so braun geworden sind, sondern einfach nur sperrdreckig waren, sinken dann in das gemuetliche Bett und schlafen tief und fest - wie die Murmeltiere.

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